Pflege in Deutschland: weiblich, höher qualifiziert und berufstätig

Competentia-Beraterin Johanna Muhl diskutierte mit Annette vom Brocke und Sina Tielemann von der Märkischen Bank sowie Christoph Hillebrand von Schött Druckguss über die Vereinbarkeit von Pflegeund Beruf. Foto: Ulla Erkens/Märksicher Kreis
Competentia-Beraterin Johanna Muhl diskutierte mit Annette vom Brocke und Sina Tielemann von der Märkischen Bank sowie Christoph Hillebrand von Schött Druckguss über die Vereinbarkeit von Pflegeund Beruf. Foto: Ulla Erkens/Märksicher Kreis

Pressemeldung vom 29.11.2019
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„Der größte Pflegedienst der Nation ist ganz klar die Familie, also Ehepartner, Kinder oder Enkelkinder“, sagte Landrat Thomas Gemke bei der Informationsveranstaltung „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege gestalten“ im EGC Lüdenscheid. Der Märkische Kreis und die Agentur Mark in Zusammenarbeit mit der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer und dem Kompetenzzentrum Frau und Beruf Competentia hatten Personalverantwortliche aus Unternehmen und Verwaltung eingeladen, um über ihre Beratungs- und Unterstützungsangebote zu informieren. Competentia- Beraterin Michaela Kalemos moderierte die Veranstaltung und zeigte anfangs deutliche Trends auf. Allein im Märkischen Kreis sind aktuell 18.800 Menschen pflegebedürftig. Gleichzeitig gehen die Einwohnerzahlen dramatisch zurück und die Zahl der Rentner steigt. Prognosen gehen davon aus, dass der Märkische Kreis bis 2030 insgesamt 37.000 Einwohner verliert. Die demografische Entwicklung und der regionale Fachkräftemangel sprechen also dafür, gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen zu halten. Zwei Drittel der Pflegenden unter 65 Jahren – so die Pflegestatistik für Deutschland – sind erwerbstätig. Ein Drittel von ihnen reduziert ihren Beschäftigungsumfang, weitere 15 Prozent geben ihre Erwerbstätigkeit komplett auf. Die typische Pflegeperson ist, so Michaela Kalemos „weiblich, verheiratet, zwischen 40 und 55 Jahre alt, Vollzeiterwerbstätig und beruflich höher qualifiziert“.
Die Auswirklungen der Pflege eines nahen Verwandten sind damit auch in den Unternehmen und Verwaltungen angekommen. Während sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bisher hauptsächlich auf die Kinderbetreuung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fokussierte, gerät nun die Pflegeverantwortung von Beschäftigten zunehmend ins Blickfeld.
Wie sich Unternehmen dieser Verantwortung stellen, diskutierte Johanna Muhl von der Agentur Mark, Competentia mit Christoph Hillebrand von der Firma Schött Druckguss, Menden, sowie Annette vom Brocke und Sina Tielemann von der Märkischen Bank in Hagen. Regelmäßige Arzttermine, spontane Krankheitsfälle und ungeplante Termine stellen Arbeitgeber täglich vor neue Herausforderungen und sind nicht immer mit den üblichen Arbeitszeiten vereinbar. Hier helfen Gleitzeitregelungen, individuell angepasste Arbeitszeitmodelle oder Telearbeit. Als besonders hilfreich herausgestellt wurden die Pflegelotsen. Bernd Grundwald und Simone Kuhl von der Gesundheits- und Pflegeplanung des Märkischen Kreises bilden seit einiger Zeit Pflegelotsen für Unternehmen aus. „Sie sollen keine Pflegeberater in den Betrieben sein, aber sie sollten wissen, was in der Pflege heutzutage alles grundsätzlich möglich ist und natürlich den Kontakt zwischen dem pflegenden Angehörigen und den Mitarbeitern der kommunalen Pflegeberatung, also zu uns herstellen“, beschreibt Simone Kuhl die Zielsetzung der Schulungsmaßnahme. Über die Pflegelotsen, die auch entsprechende Informationsunterlagen für Mitarbeiter bereithalten, kann auch der Kontakt zu den Personalverantwortlichen hergestellt werden. Nur wenn das Unternehmen früh genug von besonderen Belastungssituationen erfährt, kann es auch konkrete Unterstützung anbieten.

Der Märkische Kreis und die Agentur Mark hatten Personalverantwortliche ins EGC Lüdenscheid eingeladen, sich über die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu informieren. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis. Fot
Der Märkische Kreis und die Agentur Mark hatten Personalverantwortliche ins EGC Lüdenscheid eingeladen, sich über die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu informieren. Foto: Ulla Erkens/Märkischer Kreis. Fot
Zuletzt aktualisiert am: 29.11.2019