Perspektiven verändern und Geschichte erleben

Auch nach der gemeinsamen Zeit wollen die Jugendlichen in Kontakt bleiben. Das Projekt fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Auch nach der gemeinsamen Zeit wollen die Jugendlichen in Kontakt bleiben. Das Projekt fand dieses Jahr zum zweiten Mal statt. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis

Pressemeldung vom 29.11.2019
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„Dzień dobry“ heißt es, als Amy Slimok, Antonie Paul, Isabel Gasparovic und Johanna Blümel in Ratibor aus dem Bus steigen. Unter dem Titel „Wege zur Erinnerung – sind Chancen für die Zukunft“ nahmen sie am fünftägigen Geschichtsprojekt mit dem polnischen Partnerkreis Ratibor teil. Gemeinsam mit den Schülern vom Ratiborer Lyzeum Julia und Emilka Larysz, Viktor Hütter und Bartlomiej Placzek gingen sie auf Spurensuche der deutsch-polnischen Geschichte während des zweiten Weltkriegs und der NS-Diktatur. Im Oktober haben sich die acht Jugendlichen schon kennengelernt, als die polnische Gruppe in Lüdenscheid zu Gast war. Durch den beidseitigen Besuch „merkt man, dass nicht alles so einseitig ist, sondern betrachtet auch mal die andere Seite“, so die 18-jährige Isabel.
Um dem Thema näher zu kommen, plante Karolina Kunicka, Partnerschaftsbeauftragte des Landkreises Ratibor, einen Besuch in Krakau und in der Gedenkstätte Auschwitz. Die Schüler hatten die Aufgabe, eine Foto-Reportage zu erstellen. Das richtige Handwerkszeug dafür gab ihnen Gabrielą Habrom-Rokosz an die Hand. Mit kreativen und praktischen Übungen lernten die Schüler, was ein gutes Foto ausmacht und was man beim Fotografieren in Gedenkstätten beachten muss.
In Krakau besichtigten sie zunächst das Oskar-Schindler-Museum. Dort erfuhren sie viel über die Geschichte der Stadt Krakau während der deutschen Besatzung im zweiten Weltkrieg und das Leiden der jüdischen Bevölkerung. Am Nachmittag erforschte die Gruppe auf eigene Faust das ehemalige Krakauer Ghetto und das jüdische Viertel und sammelte Material für ihre Reportage.
Am dritten Tag besuchten die Teilnehmer des Projektes die Gedenkstätte in Auschwitz und das ehemalige Vernichtungslager Birkenau. Für die gesamte Gruppe ein emotionaler und bedrückender Besuch. Im Internationalen Jugendtreffzentrum hatten sie dann in einem Workshop Gelegenheit, über die Erfahrungen zu sprechen. Außerdem arbeiteten sie auf, wie man sich heute gegen Rassismus und Diskriminierung stark machen kann. „So fühlte man sich nicht alleine gelassen mit dem Thema“, fand die 17-jährige Antonie.
„Polen trinken viel Wodka“ oder „deutsche Frauen sehen aus wie Angela Merkel“ waren einige der Vorurteile und Klischees mit denen die Gruppe am nächsten Tag aufräumte: Die begleitende Lehrerin Sybilla Krezlewska führte durch einen Workshop zum Thema Vorurteile. Um ihre Fotos und Eindrücke weiterzugeben, bereiteten sie anschließend eine Präsentation für die Deutschkurse des Lyzeums vor, die für den letzten Projekttag auf dem Programm stand. Vor rund 70 Schülern stellten sie ihre Foto-Arbeiten und die thematischen Schwerpunkte vor. Anschließend bot sich Raum für Gespräche.
„Eine andere Perspektive auf die Dinge zu bekommen“, war für Bartlomiej ein Gewinn des vom deutsch-polnischen Jugendwerk geförderten Projektes. Obwohl das Thema emotional nicht einfach sei, fanden die Schüler, dass eine Auseinandersetzung mit der Geschichte nicht ausgelassen werden darf. Antonie fasst zusammen: „Wir müssen dafür sorgen, dass das Thema im Kopf bleibt, damit sowas nie wieder passiert“.

Andere Blickwinkel einnehmen: Ein zentraler Aspekt des Projektes. Hier im Oskar-Schindler-Museum in Krakau. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Andere Blickwinkel einnehmen: Ein zentraler Aspekt des Projektes. Hier im Oskar-Schindler-Museum in Krakau. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
An verschiedenen Stationen setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der deutsch-polnischen Geschichte im zweiten Weltkrieg auseinander. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
An verschiedenen Stationen setzten sich die Schülerinnen und Schüler mit der deutsch-polnischen Geschichte im zweiten Weltkrieg auseinander. Foto: Mathis Schneider/Märkischer Kreis
Zum Abschluss präsentierten die Schüler ihre Foto-Reportage den Deutschkursen der polnischen Gastschule. Foto: Anita Pendzialek/Märkischer Kreis
Zum Abschluss präsentierten die Schüler ihre Foto-Reportage den Deutschkursen der polnischen Gastschule. Foto: Anita Pendzialek/Märkischer Kreis
Zuletzt aktualisiert am: 29.11.2019